ONTRACK: Alpacems Leuchtturmprojekt für CO₂-arme Zementproduktion
Im Rahmen der CO₂-Reduktions-Roadmap “Compass to Zero CO₂” setzt Alpacem am Standort Wietersdorf das Leuchtturmprojekt ONTRACK um.
Das 2025 gestartete Projekt schafft die technischen Voraussetzungen, um den Einsatz CO₂-armer Ersatzrohstoffe in der Zementproduktion deutlich zu erhöhen.
Die Kreislaufwirtschaft ist der Schlüssel zum Erfolg
Durch den Ersatz natürlicher Rohstoffe durch geeignete Reststoffe – sogenannte Ersatzrohstoffe – aus der Kreislaufwirtschaft können künftig jährlich mehr als 51.000 Tonnen CO₂ eingespart werden. Damit leistet ONTRACK einen wesentlichen Beitrag auf dem Weg zur CO₂-neutralen Zementproduktion.
Analytik als Basis für sicheren Ersatzrohstoffeinsatz
Grundlage für den sicheren und dauerhaften Einsatz von Ersatzrohstoffen ist eine umfassende Analytik. Sie stellt sicher, dass die eingesetzten Materialien exakt bewertet und gezielt in den Produktionsprozess integriert werden können. Ergänzend dazu baut Alpacem die anlagen- und informationstechnische Infrastruktur im Zementwerk Wietersdorf aus. So können künftig deutlich größere Mengen CO₂-armer Ersatzrohstoffe zuverlässig angenommen, aufbereitet, dosiert und verarbeitet werden.
Kreislaufwirtschaft als Schlüssel
Die Kreislaufwirtschaft zählt weltweit und insbesondere in Europa zu den zentralen industriellen Zukunftsthemen. Ihr Ziel ist es, Ressourcen möglichst lange im Wirtschaftskreislauf zu halten und natürliche Rohstoffe durch geeignete Sekundärmaterialien zu ersetzen.
Alpacem verfügt seit Jahrzehnten über Erfahrung in der Nutzung von Stoffen aus der Kreislaufwirtschaft – sowohl als Brennstoffe als auch als Rohstoffe. Mit ONTRACK wird diese Kompetenz am Standort Wietersdorf gezielt weiterentwickelt: Der Einsatz geeigneter Ersatzrohstoffe in der Zementklinkerherstellung wird deutlich ausgebaut und technisch auf eine neue Grundlage gestellt.
So funktioniert ONTRACK
CO₂-arme Ersatzrohstoffe sind Materialien aus der Kreislaufwirtschaft, die in anderen Prozessen anfallen – etwa bei der Eisen- und Stahlherstellung, bei der Biomasseverbrennung oder beim Rückbau von Gebäuden. In ihrer chemischen Zusammensetzung können sie natürliche Rohstoffe wie Kalkstein und Mergel teilweise ersetzen. Im Zementwerk Wietersdorf werden diese Materialien gemeinsam mit natürlichen Rohstoffen zu Rohmehl verarbeitet und anschließend zu Portlandzementklinker gebrannt. Damit dieser Prozess stabil und qualitätsgesichert abläuft, setzt ONTRACK auf moderne Analytik, digitale Rechenmodelle sowie neue Anlagen zur Annahme, Aufbereitung, Lagerung, Förderung und Dosierung der Ersatzrohstoffe. So kann das Rohmehl auch bei unterschiedlichen Materialkombinationen mit konstanten chemischen Parametern hergestellt werden.
Welche Herausforderungen ONTRACK löst
Der Einsatz größerer Mengen an Ersatzrohstoffen stellt hohe Anforderungen an Technik, Qualitätssicherung und Prozessführung. ONTRACK löst dabei zwei zentrale Herausforderungen:
- Störstoffe sicher ausschleusen: Ersatzrohstoffe wie Biomasseaschen oder aufbereitete Baurestmassen können metallische Bestandteile oder andere Fremdstoffe enthalten. Dazu zählen etwa Nägel, Bewehrungsmaterial, Baustahl oder Metallverbindungen aus dem Holzbau. Mit ONTRACK werden diese Stoffe künftig effizient erkannt und ausgeschleust, bevor sie Förder- oder Produktionsanlagen beeinträchtigen können.
- Neue Annahmemöglichkeiten schaffen: Viele grundsätzlich geeignete Ersatzrohstoffe konnten bisher aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften nicht oder nur eingeschränkt eingesetzt werden – etwa wegen Staubentwicklung beim Abladen, erhöhter Materialtemperatur oder anspruchsvollem Förderverhalten. Die neue Infrastruktur ermöglicht es, solche Materialien künftig sicher anzunehmen und zu verarbeiten, ohne Umwelt oder Produktionsprozesse zu beeinträchtigen.
Wie CO2 arme Ersatzrohstoffe den CO2 Fußabdruck verkleinern
Ein wesentlicher Teil der CO₂-Emissionen bei der Klinkerherstellung entsteht, wenn Kalkstein im Brennprozess erhitzt wird. Dabei wird CO₂ aus dem Kalkstein freigesetzt. Einige Ersatzrohstoffe haben bereits in einem vorgelagerten Prozess – etwa bei der Biomasseverbrennung – einen Hochtemperaturprozess durchlaufen. Sie enthalten dadurch mineralische Bestandteile, die in der Zementproduktion benötigt werden, ohne dass im Zementofen nochmals dieselbe Menge CO₂ aus natürlichem Kalkstein freigesetzt wird. Wenn solche Ersatzrohstoffe Kalkstein teilweise ersetzen, sinkt der CO₂-Fußabdruck des Zementklinkers. Gleichzeitig werden natürliche Rohstoffressourcen geschont und Stoffe aus der Kreislaufwirtschaft sinnvoll weiterverwendet.
Der Weg bis 2030
ONTRACK wurde 2025 gestartet. Erste Teilprojekte konnten bereits erfolgreich abgeschlossen werden. Für das Herzstück des Projekts – die neue Annahme- und Aufbereitungsanlage für Ersatzrohstoffe – wurde der Genehmigungsprozess 2026 eingeleitet. Der Abschluss des Gesamtprojekts ist für 2030 geplant.
Zusätzlich wurde ONTRACK als strategisches Projekt im Rahmen des “Net-Zero Industry Act” der Europäischen Union qualifiziert. Damit wird die Bedeutung des Projekts über den Standort Wietersdorf hinaus sichtbar: ONTRACK trägt zur industriellen Transformation, zur Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit und zum Ausbau klimaneutraler Technologien bei.
Film Projektvorstellung ONTRACK
Gefördert als Beitrag zur industriellen Transformation
Das ambitionierte und innovative Alpacem-Vorhaben hat eine Förderzusage im Rahmen des Förderprogramms „Transformation der Industrie“ erhalten. Dieses Programm des Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus zielt darauf ab, industrielle Prozesse auf klimafreundliche Technologien umzustellen und so die österreichische Industrie bis 2040 weitgehend zu dekarbonisieren. Gefördert werden Investitionen, die zu einer messbaren Reduktion von Treibhausgasemissionen führen – etwa durch den Ersatz fossiler Energieträger oder durch CO₂-arme Produktionsverfahren. Mit der Förderung – in der Höhe von 21,6 Millionen Euro – setzt Alpacem einen weiteren Schritt in Richtung CO₂-neutraler Zementproduktion.